Hintergrund


Diese App bezieht Eurostat-Daten und berechnet Auswertungen. Ziel des Projekts ist die Neuschätzung und methodische Weiterentwicklung des ökonometrischen Modells zur internationalen Vergleichbarkeit von Arbeitsunfällen. Im Zentrum steht eine präzisere Modellierung der nicht-tödlichen Inzidenzen auf Basis aktualisierter Eurostat-Daten. Erweitert wird das Modell um systemische und informelle Charakteristiken der Volkswirtschaften, insbesondere Meldesysteme, Untererfassung, Schattenwirtschaft oder wahrgenommene Korruption sowie institutionelle Proxy-Variablen (z. B. Rule-of-Law-nahe Faktoren). Die neue Shiny-Applikation trennt klar zwischen transparenter deskriptiver Darstellung und modellbasierter, kontrafaktischer Analyse. Dadurch wird die internationale Vergleichbarkeit methodisch fundiert und datenlogisch konsistent verbessert.
Insbesondere ist der Fokus der Modellierung der nicht-tödlichen Berufsunfall-Inzidenzen nun nicht mehr auf der Schattenwirtschaft der EU-Mitgliedstaaten. Diese wird mit aktuellem Stand (2026) seit 2020 nicht mehr aufdatiert und muss imputiert resp. müsste zusätzlich modelliert werden.

Für die Modellierung nicht-tödlicher Berufsunfall-Inzidenzen ist ein Index zur staatlichen Korruptionskontrolle konzeptionell näher am Mechanismus der Untererfassung als der Anteil der Schattenwirtschaft. Nicht-tödliche Unfälle hängen stark von Meldepflichten, administrativer Durchsetzung und Kontrollqualität ab. Genau diese institutionellen Faktoren bildet ein Governance-Index ab. Die Schattenwirtschaft misst hingegen primär informelle wirtschaftliche Aktivität und vermischt institutionelle Schwäche mit strukturellen Effekten wie Sektorstruktur oder Selbstständigkeit. Zudem ist sie häufig selbst modellbasiert geschätzt und potenziell stärker mit anderen ökonomischen Regressoren korreliert. Für kontrafaktische Simulationen zur internationalen Vergleichbarkeit bietet ein Korruptionskontroll-Index daher eine präzisere und theoretisch sauberere Grundlage.

Funktionsweise des Dashboards



Folgende Abbildung illustriert die schematische Funktionsweise dieses Dashboards:



  1. Beim Aufstarten der App werden Daten in Echtzeit von EuroStat abgefragt:
    Datenabfrage anzeigen / ausblenden
    • Nicht-tödliche Berufsunfälle (Inzidenzen): Datenwürfel hsw_n2_01 (nace_r2 = TOTAL, sex = T). Diese Reihe ist die Zielvariable (Inzidenzrate) und wird auf Gesamtwirtschaftsebene verwendet, um sektorale Verschiebungen nicht mit branchenspezifischen Definitionen zu vermischen.
    • Tödliche Berufsunfälle (Inzidenzen): Datenwürfel hsw_n2_02 (nace_r2 = TOTAL). Die tödliche Inzidenz dient als Plausibilitäts- und Robustheitsgrösse (z.B. für Ratio-Checks und als Referenz für Untererfassung bzw. Reporting-Strukturen).
    • Wirtschaftsniveau (BIP pro Kopf, real): Datenwürfel nama_10_pc (na_item = B1GQ, unit = CLV10_EUR_HAB). Das reale BIP pro Kopf bildet das Wohlstandsniveau und damit u.a. Technologie-, Sicherheits- und Regulierungsstandards ab.
    • Konjunktur (BIP-Wachstum): aus nama_10_pc als jahresbezogene Wachstumsrate (gdp.growth) berechnet. Wachstum dient als Aktivitäts- bzw. Auslastungsproxy und kann mit mehr nicht-tödlichen Arbeitsunfällen korrelieren.
    • Sektorstruktur der Beschäftigung (Primär/Sekundär/Tertiär): Datenwürfel lfsa_egan22d (unit = THS_PER, sex = T, age = Y15_64). Über die NACE-Gliederung wird der Anteil der Beschäftigten in A (primär), B–F (sekundär) und G–T (tertiär) konstruiert.
    • Altersstruktur der Erwerbsbevölkerung: ebenfalls aus lfsa_egan22d (nace_r2 = TOTAL, sex = T, unit = THS_PER) als Anteile für Y15-24, Y25-49 und Y50-64.
    • Geschlechterstruktur der Erwerbsbevölkerung: aus lfsa_egan22d (nace_r2 = TOTAL, age = Y_GE15, unit = THS_PER, sex = M/F) als Anteil Männer/Frauen.
    • Tertiäre Bildung: Datenwürfel edat_lfse_03 (isced11 = ED5-8, age = Y15-74, sex = T). Tertiäre Bildung dient als Humankapital- sowie Technologie- und Sicherheitskultur-Proxy.
    • Schattenwirtschaft / informelle Wirtschaft ( sgdp ): Anteil der Schattenwirtschaft als Proxy für Informalität und potenzielle Untererfassung. Fehlende Werte nach 2020 werden imputiert und als is.pred.sgdp markiert.
    • Kontrolle von Korruption ( wgi_control_corruption ): Governance-Proxy aus den World Bank WGI zur Abbildung institutioneller Qualität.
    • Informelle Beschäftigung ( informal_employment ): Indikator aus ILOSTAT als Proxy für den Anteil informeller Beschäftigung.
    • Sozialausgaben in % des BIP: Datenwürfel tps00098 . Sozialausgaben dienen als Proxy für institutionelle Absicherung und arbeitsmarkt- bzw. sozialpolitische Rahmenbedingungen.

  2. Modellierung der nicht-tödlichen Inzidenzen als Random-Effects Paneldaten-Modell in STATA (server-seitig)
    Modellierung anzeigen / ausblenden
    • Die Random-Effects-Panelmodelle werden in Stata geschätzt, da die Software speziell für ökonometrische Panelanalysen entwickelt wurde und sehr robuste Implementierungen bietet. Die R-Shiny-App übernimmt hingegen die Datenintegration, Exploration und Visualisierung der Resultate.
    • Es wird folgendes Modell geschätzt: \(ln(INC_{it}) = \alpha_B \cdot Backbone_{it} + \alpha_Z \cdot Z_i + \beta_{IE}\cdot IE_{it} + \mu_i + \epsilon_{it} \) Dabei sind
      • INCit die nicht-tödlichen Berufsunfälle pro 100'000 Erwerbstätige (Inzidenz-Raten) im Staat i im Jahr t und dienen als abhängige Variable.
      • αB ist ein Vektor von Koeffizienten von Variablen, welche das Rückgrat oder den Backbone des Modelles bilden, zusammengefasst in der Variablengruppe Backboneit. Dies ist eine Gruppe von ökonomischen Variablen, welche das nicht-tödliche Berufsunfallgeschehen massgeblich beeinflussen, etwa das Bruttoinlandprodukt (GDB), das Wachstum des Bruttoinlandproduktes oder die Zusammensetzung der Arbeitnehmerschaft (Altersstruktur und Geschlecht). Zusätzlich wurden weitere Variablen wie die Verteilung der Wirtschafts-Sektoren getestet.
      • αZ ist ein Vektor von zeitinvarianten Koeffizienten, welche wichtige Charakteristiken der Mitgliedstaaten Zi bezüglich Untererfassung und Meldesystem darstellen und für die kontrafaktische Simulation wichtig sind. Hierzu wird die Tendenz zur Untererfassung, falls vorhanden, und das Meldesystem auf die Schweiz angeglichen ( keine Untererfassung und versicherungsbasiertes Meldesystem.
      • IEit ist eine Variable, welche die Grösse der informellen Ökonomie ( I nformal E conomy im Jahr i im Jahr t misst. Als zielführendste Variable hat sich neben der Schattenwirtschaft, der informellen Beschäftigung oder Ausmass von Regulierungen die wahrgenommene Korruption erwiesen. Der Korruptionsindikator eignet sich als Proxy für Informalität, da er institutionelle Qualität und die Durchsetzung staatlicher Regeln widerspiegelt. Zudem ist er international harmonisiert und langfristig verfügbar, während direkte Messungen informeller Beschäftigung oft unvollständig sind.

    • Die Koeffizienten zeitinvarianter Variablen wie des Meldesystems in Zi können nur in random-effects Modellen identifiziert werden.

  3. Darstellung der Resultate im Dashboard:
  4. Visualisierung u. Auswertung anzeigen / ausblenden
    • Im Schritt 1 wurden die Daten bezogen. Die Daten reichen aktuell von 2008 - 2023 . Bei den Einstellungen zu den Visualisierungen können unterschiedliche Jahre angewählt werden.
    • Im Schritt 2 wird das ökonometrische Modell aufgestellt. Aktuell werden im Modell die letzten 10 Jahre der Daten für die Modellierung verwendet:
      Auch diese Auswahl kann auf der Seite RE-Modell angepasst werden, wobei dann die Schätzung (Schritt 2) erneut server-seitig durchgeführt wird.
      Wichtig: Dabei passt sich nur der verwendete Zeithorizont für die Modellschätzung an. Die zur Visualisierung im Dashboard verfügbaren Jahre 2008 - 2023 bleiben unverändert!
    • Im Schritt 3 findet die eigentliche Auswertung statt. Dies geschieht auf den Seiten Übersicht EU und Kontrafaktische Simulationen . Final kann von den gespeicherten Auswertungen ein Schlussbericht auf der Seite Datenbezug und Bericht bezogen werden.


Letzter Zugang:

25.04.2026

Glossar der Staaten in dieser Statistik

Glossar anzeigen / ausblenden
StaatOrgani-
sation
Melde-
system
Unter-
erfassung
Wappen StaatOrgani-
sation
Melde-
system
Unter-
erfassung
Wappen
ATEUVATLTEUSULT
BEEUVBELUEUVLU
BGEUVUBGLVEUSULV
CYEUSCYMTEUSMT
CZEUSCZNLEUSNL
DEEUVDEPLEUSPL
DKEUSDKPTEUVPT
EEEUSEEROEUSURO
ELEUVELSEEUSSE
ESEUVESSIEUVSI
FIEUVFISKEUSSK
FREUVFRCHEFTAVCH
HREUSHRISEFTASIS
HUEUSHULIEFTAVLI
IEEUSIENOEFTASNO
ITEUVITUKUKSUK
S: Meldesystem der sozialen Sicherung
V: Versicherungsbasiertes Meldesystem
U: EuroStat Klassifikation zu einer Tendenz zur Untererfassung der nicht-tödlichen Berufsunfall-Inzidenzen


Autor und Kontakt


Dr. Fabian Heimsch
Professor für Statistik und Geschäfts-Analytik
Institute for Competitiveness and Communication (ICC) FHNW
fabian.heimsch@fhnw.ch

Panel-Daten RE-Modell der nicht-tödlichen Berufsunfall-Inzidenzen

Daten-Quellen

Es werden folgende Datenquellen zur Modellierung der nicht-tödlichen Inzidenzen herangezogen:
Datenbezüge und Beschreibung anzeigen / ausblenden

Eurostat-Quellen und Begründung

Die Modellierung der nicht-tödlichen Berufsunfall-Inzidenzen basiert auf einem harmonisierten Panel aus Eurostat-Statistiken, die in allen Ländern nach einheitlichen Definitionen erhoben werden. Dadurch sind Vergleiche über Zeit und zwischen Ländern (EU/EFTA) möglich, und die Variablen lassen sich in FE/RE-Panelmodellen konsistent verwenden.

  • Nicht-tödliche Berufsunfälle (Inzidenzen): Datenwürfel hsw_n2_01 (nace_r2 = TOTAL, sex = T). Diese Reihe ist die Zielvariable (Inzidenzrate) und wird auf Gesamtwirtschaftsebene verwendet, um sektorale Verschiebungen nicht mit branchenspezifischen Definitionen zu vermischen. Eurostat Databrowser
  • Tödliche Berufsunfälle (Inzidenzen): Datenwürfel hsw_n2_02 (nace_r2 = TOTAL). Die tödliche Inzidenz dient als Plausibilitäts- und Robustheitsgrösse (z.B. für Ratio-Checks und als Referenz für Untererfassung bzw. Reporting-Strukturen). Eurostat Databrowser
  • Wirtschaftsniveau (BIP pro Kopf, real): Datenwürfel nama_10_pc (na_item = B1GQ, unit = CLV10_EUR_HAB). Das reale BIP pro Kopf bildet das Wohlstandsniveau und damit u.a. Technologie-, Sicherheits- und Regulierungsstandards ab (typischerweise: höheres Niveau → niedrigere Unfallinzidenzen). Eurostat Databrowser
  • Konjunktur (BIP-Wachstum): aus nama_10_pc als jahresbezogene Wachstumsrate (gdp.growth) berechnet. Wachstum ist ein Aktivitäts-/Auslastungsproxy (mehr Produktion, mehr Beschäftigung, höheres Tempo), was in vielen Settings mit mehr nicht-tödlichen Arbeitsunfällen korreliert. Durch die Trennung von Niveau (log BIP) und Wachstum kann das Modell sowohl strukturelle Unterschiede als auch konjunkturelle Schwankungen abbilden.
  • Sektorstruktur der Beschäftigung (Primär/Sekundär/Tertiär): Datenwürfel lfsa_egan22d (unit = THS_PER, sex = T, age = Y15_64). Über die NACE-Gliederung wird der Anteil der Beschäftigten in A (primär), B–F (sekundär) und G–T (tertiär) konstruiert. Die Sektorstruktur ist zentral, weil Unfallrisiken stark zwischen Branchen variieren (Industrie/Bau tendenziell höher als Dienstleistungen). Eurostat Databrowser
  • Altersstruktur der Erwerbsbevölkerung: ebenfalls aus lfsa_egan22d (nace_r2 = TOTAL, sex = T, unit = THS_PER) als Anteile für Y15-24, Y25-49, Y50-64. Die Altersstruktur wirkt u.a. über Erfahrung, Tätigkeitsprofile und physische Belastbarkeit auf das Unfallrisiko. (z.B. mehr junge Beschäftigte → häufiger nicht-tödliche Unfälle; höherer Anteil älterer Beschäftigter kann je nach Struktur ebenfalls relevant sein.)
  • Geschlechterstruktur der Erwerbsbevölkerung: aus lfsa_egan22d (nace_r2 = TOTAL, age = Y_GE15, unit = THS_PER, sex = M/F) als Anteil Männer/Frauen. Der Männeranteil ist ein Proxy für Berufs- und Tätigkeitsmix sowie Exposition in risikoreicheren Tätigkeiten; daher als Kontrollvariable sinnvoll.
  • Tertiäre Bildung: Datenwürfel edat_lfse_03 (isced11 = ED5-8, age = Y15-74, sex = T). Tertiäre Bildung dient als Humankapital- sowie Technologie- und Sicherheitskultur-Proxy (höherer Anteil → tendenziell niedrigere Unfallinzidenzen). Eurostat Databrowser
  • Schattenwirtschaft / informelle Wirtschaft (sgdp): Anteil der Schattenwirtschaft (aus externer Quelle, in % des BIP) als Proxy für Informalität und damit für potenzielle Untererfassung sowie schwächere Durchsetzung von Arbeitsschutzstandards. Wichtig: Diese Reihe gilt als nur begrenzt zuverlässig und wird seit 2020 nicht mehr aktualisiert. Für die Jahre nach 2020 werden die fehlenden Werte daher im Datensatz mittels Zeitreihen-Imputation (Back-/Forecasting, länderspezifisch) ergänzt und entsprechend markiert (is.pred.sgdp).
  • Kontrolle von Korruption (wgi_control_corruption): Governance-Proxy (World Bank WGI, Indikator CC.EST, bezogen über ILOStat) zur Abbildung institutioneller Qualität. Korruption bzw. schwache Governance kann sowohl die Durchsetzung von Arbeitsschutzregeln als auch die Vollständigkeit und Qualität der Meldesysteme beeinflussen. Der Indikator wird daher als zentrale institutionelle Kontrollvariable berücksichtigt.
  • Informelle Beschäftigung (informal_employment): Indikator aus ILOSTAT als direkter Proxy für den Anteil informeller Beschäftigung (in %). Er erfasst Informalität näher am Arbeitsmarkt als sgdp und ist daher inhaltlich besonders relevant, weil informelle Beschäftigung oft mit geringerer Arbeitsschutzabdeckung, geringerer Prävention und potenzieller Untererfassung von Unfällen einhergeht. Hinweis: In Europa weist dieser Indikator teilweise grössere Datenlücken und unterschiedliche Messdichten auf; wo verfügbar wird er als ergänzende Kontrollvariable genutzt, andernfalls bleibt er fehlend bzw. wird nicht in jeder Spezifikation verwendet.
  • Sozialausgaben in % des BIP: Datenwürfel tps00098. Sozialausgaben sind ein Proxy für institutionelle Absicherung und arbeitsmarkt- bzw. sozialpolitische Rahmenbedingungen, die u.a. Prävention, Kontrolle und Reporting beeinflussen können. Eurostat Databrowser

Warum genau diese Quellen? Erstens sind die verwendeten Indikatoren EU-weit harmonisiert und regelmässig aktualisiert, was für Panelanalysen entscheidend ist. Zweitens decken sie die wichtigsten Treiber von Unfallinzidenzen ab: wirtschaftliche Aktivität (BIP/Wachstum), Struktur der Wirtschaft (Sektoren), Demografie der Erwerbsbevölkerung (Alter/Geschlecht) sowie Humankapital und Institutionen (Bildung/Sozialausgaben). Damit lässt sich die nicht-tödliche Inzidenz modellseitig sowohl über zyklische Effekte als auch über langfristige strukturelle Unterschiede erklären.

Modellierung

Modellbeschreibung anzeigen / ausblenden

Modellierung des strukturellen 'Backbone' der nicht-tödlichen Inzidenzen

Obwohl im Datensatz eine Vielzahl harmonisierter Struktur- und Kontextvariablen enthalten ist, werden im eigentlichen Panelmodell nur diejenigen Grössen verwendet, die theoretisch und empirisch als zentrale Determinanten der nicht-tödlichen Berufsunfall-Inzidenzen gelten. Ziel ist es, einen strukturellen 'Backbone' der Unfallinzidenz zu modellieren, der konjunkturelle, demografische und wirtschaftsstrukturelle Unterschiede zwischen Ländern abbildet.

  • log(BIP pro Kopf) (lngdp): Proxy für Entwicklungsstand, Technologie, Regulierung und Sicherheitskultur. Höheres Niveau ist typischerweise mit geringerer Unfallinzidenz verbunden.
  • BIP-Wachstum (gdpgrowth): Konjunktureller Aktivitätsindikator. Wachstumsphasen gehen häufig mit höherer Arbeitsintensität und damit mit mehr nicht-tödlichen Unfällen einher.
  • Anteil junger Erwerbstätiger (workforce_young_15_24): Jüngere Beschäftigte weisen im Durchschnitt höhere Unfallraten auf, u.a. aufgrund geringerer Erfahrung und höherer physischer Exposition.
  • Anteil älterer Erwerbstätiger (workforce_older_50_64): Altersstruktur beeinflusst Tätigkeitsprofile, Erfahrung und Risikoexposition. Der Effekt kann je nach Land unterschiedlich ausfallen.
  • Männeranteil (workforce_share_male): Proxy für Branchen- und Tätigkeitsmix. Ein höherer Männeranteil geht häufig mit höherer Exposition in risikoreichen Tätigkeiten einher.

Diese Variablen bilden zusammen den Kern (Backbone) der Modellierung.

Modellierung der nicht-tödlichen Inzidenzen über die Meldesysteme, Untererfassung und informellen Charakteristiken

Zusätzlich werden systematische Unterschiede in der Unfallmeldung über das Meldesystem und die Untererfassung (Interaktion i.msys#i.unter) sowie Jahrseffekte (i.year) berücksichtigt, um länderspezifische Reporting-Strukturen und gemeinsame Zeittrends abzubilden.

  • Meldesystem # Untererfassung (i.msys#i.unter): Die Interaktion dieser beiden Dummy-Variablen bildet die Referenz-Basis Versicherungsbasiertes Meldesystem # keine Untererfassung die Referenz bildet somit die Situation der Schweiz ab. Zur besseren Lesbarkeit ist das 'Versicherungsbasierte Meldesystem' unter 'RE-Modell anzeigen / ausblenden' als 'Andere' erfasst. Im Vergleich dazu werden somit drei Koeffizienten gerechnet: Versicherungsbasiertes Meldesystem (Andere)#Untererfassung, Meldesystem der sozialen Sicherung#Keine Untererfassung und Meldesystem der sozialen Sicherung#Untererfassung.
  • Kontrolle von Korruption (wgi_control_corruption): Governance-Proxy (World Bank WGI, Indikator CC.EST) zur Abbildung institutioneller Qualität. Korruption bzw. schwache Governance kann sowohl die Durchsetzung von Arbeitsschutzregeln als auch die Vollständigkeit und Qualität der Meldesysteme beeinflussen. Der Indikator wird daher als zentrale institutionelle Kontrollvariable berücksichtigt.
RE-Modell anzeigen / ausblenden

                
EU-Karte anzeigen / ausblenden
Modell und geschätzte Koeffizienten anzeigen/ausblenden
Die geschätzte Modell-Gleichung mit den relevanten Variablen zu Meldesystemen und Untererfassung lautet:
mit folgender Bedeutung der Variablen
Beispielrechnung Multiplikator anzeigen/ausblenden

Verwendung des RE-Modelles: Multiplikatoren

Das RE-Modell dient dem Zweck, die nicht-tödlichen Inzidenzen der EU-Mitgliedstaaten auf ein 'vergleichbares' Niveau zur Schweiz hochzurechnen. Dies geschieht kontrafaktisch durch einen Angleich des Meldesystem zu jenem der Schweiz (versicherungs-basiert) ohne Untererfassung. Zusätzlich wird für das relevante Berichtsjahr der Korruptionsindex auf das Niveau der Schweiz angehoben und so das Ausmass der informellen Wirtschaft angeglichen.
S: Meldesystem der sozialen Sicherung
V: Versicherungsbasiertes Meldesystem
U: EuroStat Klassifikation zu einer Tendenz zur Untererfassung der nicht-tödlichen Berufsunfall-Inzidenzen
Verteilung der Multiplikatoren anzeigen/ausblenden

Verteilung der Multiplikatoren über die Mitgliedstaaten